• Der Pfälzer Forscher
    Georg Balthasar von Neumayer

    Ein Leben für die Forschung

Georg von Neumayer wurde am 26. Juni 1826 in Kirchheimbolanden geboren, studierte in München Naturwissenschaften und wurde hier namentlich von Lamont, dem bedeutenden Astronomen und Erdmagnetiker, ausgebildet. Der Verkehr mit Lamont war für seinen weiteren Lebensweg von ausschlaggebender Bedeutung, denn durch ihn wurde er in die Theorie des Erdmagnetismus eingeführt und auf die noch bestehenden Beobachtungslücken in der Südpolarregion aufmerksam gemacht. Der Gedanke, diese Lücken ausfüllen zu helfen, hat ihn sein ganzes Leben lang beschäftigt und hat ihn veranlasst, lange Jahre auf der Südhalbkugel selbst forschend tätig zu sein.

Geburtshaus von Neumayer

Geburtshaus von Neumayer

Zeit seines Lebens verfolgte er zwei Ziele: Die Stärkung der deutschen Seeschifffahrt mit Hilfe der Wissenschaft, sowie die Erforschung der hohen südlichen Breiten.
Nach beendeter Studienzeit wollte er die gelernten Methoden der astronomischen Nautik in der Praxis anwenden und entschloss sich daher, als Matrose, später dann als Steuermann, zur See zu fahren. Dadurch, dass Georg von Neumayer die Schifffahrt ex profundo gelernt und mit offenen Sinnen erfasst hatte, was die Schifffahrt für die Wissenschaft leisten konnte, schaffte er die Grundlage für seine spätere Tätigkeit am Flagstaff Observatory in Australien und vor allem als Direktor und Organisator der Deutschen Seewarte in Hamburg.

Geburtshaus von Neumayer

Seewarte Hamburg, wikipedia

Zurückgekehrt von einem längeren ersten Aufenthalt in Australien im Jahr 1856, gelang es Georg von Neumayer, dank der Unterstützung des berühmten Chemikers Justus von Liebig, von König Maximilian II von Bayern die Mittel zur Einrichtung eines geophysikalischen Observatoriums in Melbourne zu erhalten. In erster Linie sollte das Observatorium als Basisstation für erdmagnetische Beobachtungen in der Antarktis dienen, gleichzeitig aber auch eine Zentralstelle für maritime Meteorologie sein. Von 1858 bis 1864 hat er als Direktor des später von der Kolonialregierung übernommenen Flagstaff-Observatoriums höchst wertvolles klimatologisches Material gesammelt. Es wurden aber nicht nur meteorologische Beobachtungen dokumentiert, sondern es wurden auch Messungen der atmosphärischen Elektrizität und des Erdmagnetismus durchgeführt. Diese Messungen wurden jede Stunde, Tag und Nacht, und jeden Tag des Jahres manuell durchgeführt. Ein weiterer Teil Georg von Neumayers Arbeit war die systematische magnetische Aufnahme eines beträchtlichen Teils Australiens, indem er für 235 Orte die drei für Magnetismus wichtigen Größen bestimmte. Mit dieser magnetischen Feldarbeit gingen zusätzliche astronomische Ortsbestimmungen und Höhenmessungen Hand in Hand. Zu letzteren benutzte er sowohl Quecksilberbarometer wie auch die zu damaliger Zeit eher seltenen Aneroide (Federbarometer) sowie Siedethermometer. Diese Feldarbeit war eng verknüpft mit Neumayers Arbeiten zur Erkundung des unbekannten Inneren Australiens und Nachforschungen zu der 1848 verschollenen Leichhardtschen Expedition.

Eine dieser Reisen von Neumayer ins Landesinnere wurde von Nicolas Chevalier in einer Reihe von teilweise handkolorierten Skizzen dokumentiert, die später in einem Skizzenbuch zusammengefasst und Georg von Neumayer gewidmet wurden. Diese Skizzen entstanden bei einer von Georg von Neumayer von April bis Juni 1862 durchgeführten Vermessungsreise in Verbindung mit dem Magnetic Survey der Kolonie von Viktoria in Australien. Begleitet bei dieser Reise wurde er von Samuel M’Gowen, der die Telegraphenlinie längs der Küste zu inspizieren hatte, sowie den beiden Landschaftsmalern Nicolas Chevalier und Eugene von Guerard.
Das Skizzenbuch umfasst insgesamt 88 Skizzen, von denen hier exemplarisch 2 abgebildet sind, die einen Einblick in den Reisealltag geben.
Diese Reisen dienten der Erforschung des Landesinneren und der magnetischen Vermessung Victorias.

Aus dem Skizzenbuch – „The Lighthouse at Cape Ottway“

Aus dem Skizzenbuch – „The ‚Eiderumkum”

Georg von Neumayers Traum vom Südpol, Abb.8 und 9 mit freundlicher Genehmigung des SWR Fernsehens

Bereits Im Laufe des Jahres 1860 hatte man festgestellt, dass die neu entstandenen Fabriken in der Umgebung des Flagstaff Observatory sich nachteilig auf die Messungen und Beobachtungen auswirkten und dass man einen neuen Standort für das Observatorium suchen musste. Man suchte nun einen Standort für eine kombiniertes Forschungsstätte für astronomische, meteorologische und erdmagnetische Messungen. Nach längerer Suche und Bauzeit wurde dann 1863 das Melbourne Observatory errichtet und die Messungen im Flagstaff Observatory liefen zum Ende des Jahres, im November 1863, aus. Neumayer nutze diese Veränderung, um seine erdmagnetischen Vermessungen in Victoria abzuschließen, und verließ unter großer Anteilnahme und höchsten Anerkennungen dann im Juni 1864 auf dem Klipper „GARAWALT“ Australien in Richtung Hamburg.
Als Neumayer 1864 von Australien zurückkehrte, widmete er die nächsten Jahre der Bearbeitung seines umfangreichen Beobachtungsmaterials. Bereits auf dem Internationalen Geographenkongress im darauffolgenden Jahr formuliert er klar die Ziele, deren Verwirklichung er dann Jahrzehnte lang vorangetrieben hat: Die Erforschung der Südpolargebiete und die Errichtung einer Zentralstelle für Hydrographie und Maritime Meteorologie in Deutschland.
Die politischen Verhältnisse waren zunächst der Ausführung seiner Ideen nicht förderlich, da die Mehrheit in den wissenschaftlichen Gremien der Erforschung der Nordpolargebiete den Vorzug gab. Erst Jahre später, nämlich 1874, wurden die Bestrebungen Georg von Neumayers durch die Gazelle-Expedition in großen Umfang verwirklicht.
Als nach Beendigung des Deutsch-französischen Krieges die deutsche Kriegsflotte re-organisiert wurde, berief man im Juli 1872 Neumayer in das Hydrographische Büro der Admiralität in Berlin. Hier war Neumayer am idealen Platz, von wo aus er der Verwirklichung der ihn erfüllenden Ideen nachgehen konnte
Wenn wir von seinen Arbeiten in Bezug auf die Verbesserung der nautischen Instrumente , die Methoden bei der Küstenvermessung und seine zahlreichen Anleitungen für die Kriegsflotte zur Gewinnung wissenschaftlichen Materials absehen, die für sich schon auf eine unermüdliche Arbeitskraft in jenen Jahren schließen lassen, so liegt seine Hauptleistung in der Vorbereitung für die Forschungsreise SMS „Gazelle“ (1874–1876), die auch gleichzeitig die Beteiligung Deutschlands an der Beobachtung des Venus-Durchgangs verwirklichen half.
Das Programm für die wissenschaftlichen Arbeiten der Expedition, die Auswahl und Prüfung der benötigten Instrumente sowie die Ausbildung der an der Expedition beteiligten Offiziere, alles ging auf Neumayer zurück, so dass ihm an dem Erfolg der Reise ein erheblicher Anteil gebührte.
Die Anregung, die Neumayer 1865 in Frankfurt zur Gründung einer Zentralstelle für Hydrographie und Maritime Meteorologie in Deutschland gegeben hatte, war in der Zwischenzeit Wirklichkeit geworden. 1868 war von W. von Freeden in Hamburg die Norddeutsche Seewarte gegründet worden, allerdings nicht als Staatsinstitut, sondern aus privaten Mitteln. Mit der wachsenden Bedeutung der Seemacht Deutschlands und der stetigen Zunahme seiner Seeinteressen konnte ein privates Seeinstitut nicht genügen und es wurde daher durch Reichsgesetz 1875 die Deutsche Seewarte in Hamburg gegründet, die das Inventar und Beobachtungsmaterial der Norddeutschen Seewarte erwarb, um sich in den nächsten Jahren auf breiter Basis neu zu organisieren. Die Deutsche Seewarte war Neumayers Werk und 27 Jahre lang ist er ihr Leiter gewesen. Er hat während dieser Zeit seine reichen Anlagen entfalten können, um neben seiner Hauptaufgabe, mit der Wissenschaft die praktische Seeschifffahrt zu fördern, seinem idealen Ziel, der Pflege der Wissenschaft vom Meer mit Hingabe seiner ganzen Persönlichkeit nachzustreben.
Wie unermüdlich Neumayer Zeit seines Lebens für die Erforschung der Polargebiete eingetreten ist, das ersieht man auch aus seinem Buch „Auf zum Südpol“, in dem er selbst eine Zusammenstellung aller seiner dahin zielenden Bestrebungen gegeben hat. Abschließend sei noch auf ein wesentliches Werk Neumayers hingewiesen, nämlich auf seine „Anleitung für wissenschaftliche Beobachtungen auf Reisen“, ein selbst weit ins 20. Jahrhundert reichend vielzitiertes Werk.
Mit 77 Jahren tritt Neumayer 1903 in den verdienten Ruhestand und zieht von Hamburg zurück in die Pfalz nach Neustadt, wo seine Schwester und weitere Familienmitglieder lebten.
Bereits 1867 wählte ihn die POLLICHIA zu ihrem Vorsitzenden, und später dann 1896 auch zu ihrem Ehrenpräsidenten. Zu seinem achtzigsten Geburtstag beging Neumayer ein imposantes Fest im Neustadter Saalbau. Freunde und Gäste hatten zu diesem Anlass eine bedeutende Geldsumme gesammelt, die Neumayer in eine Stiftung, genannt die „Neumayer Spende“ überführte. Diese Stiftung ist der Vorgänger der von der POLLICHIA wiederbelebten Georg von Neumayer Stiftung, die sich heute wie damals für die Förderung junger Wissenschaftler und heute zusätzlich für das Gedenken an Georg von Neumayer einsetzt.
Hoch geehrt in der Welt und verehrt von seinen pfälzischen Mitbürgern starb Geheimrat Professor Georg von Neumayer am 24.5.1909 und wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Neustadter Friedhof beigesetzt. Ein mit Symbolen der Seefahrt versehener Tempel schmückt bis heute dort seine Grabstätte.
Durch die Benennung der ersten Überwinterungsstation der Bundesrepublik Deutschland in der Antarktis nach Georg von Neumayer im Jahr 1981 und die jährlichen Weinpräsente der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd an das Überwinterungsteam der Georg-von-Neumayer-Station ist sein Name auch heute noch regelmäßig in der regionalen Presse präsent.

Die Neumayer-Station III in der Antarktis

Quellen

Lücke, C. (2009): Deutsch-australische Beziehungen – Georg von Neumayer und das Flagstaff Observatory in Melbourne (1857-1863). Bericht über ein Symposium in Melbourne, 27.-30. Mai 2009. – Polarforschung 79 (3): 193–195 (erschienen 2010).
Museum Victoria, collections.museumsvictoria.com.au/articles/1630, Flagstaff Observatory, 1858–1863.
Kretzer, H.-J. (2001): Windrose und Südpol, Leben und Werk des großen Pfälzer Wissenschaftlers Georg von Neumayer. – Sonderveröffentlichungen der POLLICHIA Nr. 4, Bad Dürkheim.